Wirtschaftslehre

Wirtschaftskunde, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre

Akkulturation


Unter der Akkulturation versteht man die Anpassung der kulturellen Identität, also einen kulturellen Anpassungsprozess. Die typische Definition von Akkulturation geht auf Redfield, Linton und Herskovits (1936, S. 149) zurück:
"acculturation comprehends those phenomena which result when groups of individuals having different cultures come into continuous first-hand contact with subsequent changes in the original culture patterns of either or both groups."
Auch wenn die Definition von einer möglichen Änderung von beiden Gruppen spricht, zeigt sich in der Praxis, dass sich lediglich bei einer Gruppe einen größeren Wandel bemerkbar macht, während bei der anderen Gruppe die Auswirkungen nicht so stark sind.
Nach John W. Berry lassen sich vier Akkulturationsstrategien unterscheiden, je nach dem ob die Minderheitengruppe an der eigenen kulturellen Identität festhalten möchte und wie hoch der Wille ist, die andere Kultur anzunehmen. Die vier Akkulturationsstrategien sind:
  • Integration: die eigene kulturelle Identität ist hoch, der Wille die andere Kultur anzunehmen aber ebenfalls
  • Assimilation (auch Inklusion): die eigene kulturelle Identität ist niedrig, der Wille die andere Kultur anzunehmen aber hoch
  • Marginalisierung (auch Exklusion): die kulturelle Identität ist niedrig, der Wille die andere Kultur anzunehmen ebenfalls
  • Separation (auch Segregation): die kulturelle Identität ist hoch, der Wille die andere Kultur anzunehmen aber nicht
Akkulturationsstrategien


Im Allgemeinen sind bei der Akkulturation beide Kulturen beteiligt. Nach Berry kann eine freiwillige Integration beispielsweise nur dann durch eine nicht-dominante Gruppe erfolgen, wenn die dominante Gesellschaft offen in ihrer Orientierung ist und sich einer kulturellen Vielfalt nicht verweigert. Die nicht-dominante Gruppe muss also die grundlegenden Werte annehmen, im gleichen Zug muss die dominante Gruppe sich aber ebenfalls um die Belange der anderen Gruppe kümmern, um ein gemeinsames Leben in der neuen pluralistischen Gemeinschaft zu ermöglichen.

Die Akkulturation kann sich durch Nachahmung und Übernahme ursprünglich fremder Kulturelemente in der eigenen Kultur vollziehen. Dazu zählt beispielsweise die Annahme einer neuen Sprache, die Anpassung des Kleidungsstil oder auch das Feiern der kulturellen Feste. Im Laufe der Geschichte fanden Akkulturationen nicht immer freiwillig statt. Im Kolonialismus erfolgte sie beispielsweise gewaltsam.

Quelle



Artikel vom 08.09.2015