Wirtschaftslehre

Wirtschaftskunde, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre

Inflation einfach erklärt


Inflation ist ein vor allem in der Volkswirtschaft verwendeter Begriff, der seinen Ursprung beim lateinischen Wort "inflatio" hat, was so viel wie Aufblähen bedeutet. Generell beschreibt die Inflation eine Teuerung, also eine stetige Erhöhung des Preisniveaus sowohl bei Gütern als auch Dienstleistungen. Entscheidend ist der Begriff stetig, da die Inflation kein kurzer Nebeneffekt, sondern ein lang anhaltender dynamischer Prozess ist.

Mit der Inflation geht auch eine Minderung der Kaufkraft einher, Geld wird also gewissermaßen weniger wert. Das liegt unter anderem daran, dass Gehälter und Löhne nicht in gleichem Maß wie die Preise steigen und somit eine angemessene Korrelation zwischen beidem verloren geht.

Die Historie der Inflation in Deutschland

Die Inflation wird von vielerlei Faktoren beeinflusst und so gab es auch in der Bundesrepublik, sowie besonders zur Zeit der Weimarer Republik, immer wieder Phasen mit einer verhältnismäßig sehr hohen Inflationsrate.

Eines der bekanntesten Jahre mit extremer Inflation war die Zeit von 1914 bis 1923 zur Zeit der Weimarer Republik. Die damals aufgetretene Inflation wird auch Hyperinflation genannt, da die Inflationsrate mehrere tausend Prozent im Monat betrug. Diese damalige Hyperinflation entstand als Nachwirkung des Ersten Weltkriegs, der für Deutschland immens hohe Ausgaben bedeutete. Die Inflation in diesem Zeitraum war eine der extremsten Geldentwertungen, die es jemals in einer Industrienation gegeben hat.

Auch gab es später in Deutschland, im Jahr 1951, eine Inflationsrate von 7,8 Prozent. Auch in dem Zeitraum 1971 bis 1982 gab es eine Reihe verhältnismäßig hoher Ausschläge, meist über 5 Prozent mit dem Maximalwert 7,1 Prozent im Jahr 1973.

Betrachtet man die jeweiligen Gründe für die hohen Inflationsraten, so merkt man, dass die ausschlaggebenden Faktoren nicht unbedingt in dem betroffenen Land liegen müssen, sondern internationaler Natur sein können.

Die fast acht Prozent betragende Inflationsrate 1951 beispielsweise rührt daher, dass die Vereinigten Staaten nach dem Koreakrieg wieder massiv Waren nachfragten und dadurch eine überproportionale Verteuerung aller Waren und Dienstleistungen entstand. Der Wert des Geldes nahm schnell ab.

Auch 1973 und 1974 sowie erneut ab 1979 kam es zu hohen Inflationsraten. In den beiden erstgenannten Jahren aufgrund der auftretenden ersten Ölkrise durch eine rasante Kürzung der Fördermengen durch die OPEC und einen Krieg in Israel, sowie 1979 erneut durch eine Ölkrise. Diese zweite Ölkrise wurde in dem Fall durch die Islamische Revolution im Iran, darauffolgende Förderrückgänge beim Rohöl und einen erneuten Anstieg des Ölpreises ausgelöst.

Die Ursachen und der Entstehungsprozess einer Inflation

Wie bereits bei den Gründen für die zeitweise hohen Inflationsraten in Deutschland zu sehen ist, gibt es vielerlei verschiedene Ursachen für die Inflation.

Die in mehreren Fällen oben genannten Ursachen sind zum großen Teil der gleichen Kategorie zuzuordnen.

Das signifikante Nachfragewachstum der USA nach dem Koreakrieg, die Ölkrisen und der Jom-Kippur-Krieg in Israel gehören alle zur Kategorie der sogenannten "importierten Inflation" aus deutscher Sicht.

Eine importierte Inflation ist eine Inflation im eigenen Land durch Ursachen, die außerhalb, also in anderen Ländern liegen.

Eine andere Art der Inflation ist die "Angebotsinflation". Diese wird dadurch definiert, dass Rohstoffpreise, Lohnkosten oder Lohnnebenkosten steigen, was zu einer starken Verteuerung des gesamten Herstellungsprozesses führt. Die Unternehmen handeln in einem solchen Fall meist nach dem gleichen Muster, nämlich indem man die Mehrkosten beziehungsweise die Verteuerung an die Kunden abgibt. Die Unternehmen können in den meisten Fällen nur auf diese Weise reagieren, da man sonst nicht mehr wettbewerbsfähig wäre. Durch die anhaltende Verteuerung der Preise kommt es also über einen gewissen Zeitraum zu einer Verminderung der Kaufkraft.

Eine dritte Variante ist die Nachfrageinflation. Diese kennzeichnet sich dadurch, dass Konsumenten mehr nachfragen als angeboten wird, und vor allem mehr als angeboten werden kann. Für diese Art der Inflation muss also Vollbeschäftigung herrschen; die Unternehmen haben keine weiteren Kapazitäten, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Auf diese Weise werden die Preise ebenfalls höher. Die Nachfrageinflation ist vor allem in Hochkonjunkturphasen und Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs zu sehen.

Der Entstehungsprozess einer Inflation hängt auch mit der sich im System befindlichen Geldmenge zusammen, die der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge gegenübergestellt wird. So muss als Bedingung für eine Inflation eine zu große Geldmenge einer kleineren Gütermenge gegenüberstehen.

Außerdem sorgt die sogenannte Lohn-Preis-Spirale dafür, dass eine Inflation sich zumeist selbst immer weiter antreibt. Wenn die Preise steigen, steigen zuerst auch die Löhne. Damit steigt die Nachfrage und entsprechend steigen die Preise weiter. Wie oben genannt kommt es dann zu einer Art Abkopplung, da die Löhne nicht immer weiter gleichermaßen mit steigen können. Durch die sich andeutende Inflation verfallen Konsumenten oftmals in Panik und versuchen dann, noch möglichst viel zu kaufen, bevor es zu der Geldentwertung kommt. Entsprechend trifft damit eine plötzlich deutlich erhöhte Nachfrage auf das bestehende Angebot und die Preissteigerungen werden noch extremer. Somit bedient sich der Kreislauf immer weiter selbst.

Wie die Inflation gemessen wird - Warenkorb und COLI

Um die Inflation sinnvoll messen und auch immer auf einen Vergleichswert zurückgreifen zu können, wurde der sogenannte Verbraucherpreisindex geschaffen.

Bei diesem werden jedes Jahr zur gleichen Zeit mit einem imaginären Warenkorb Preise verglichen. In diesen Warenkorb werden Waren gelegt, die der durchschnittliche deutsche Konsument kauft, Gebrauchsgegenstände des Alltags also vor allem.

So sind beispielsweise Hygieneprodukte wie Shampoos oder diverse Lebensmittel in dem Warenkorb. Durch die Messung zum gleichen Zeitpunkt in jedem Jahr kann somit genau verglichen werden, ob es eine inflationäre oder eine deflationäre Tendenz gibt. Hierfür wird schlichtweg geschaut, ob der Warenkorb teurer oder günstiger ist. Dann wird der Preis jedes einzelnen Artikels mit dem Vorjahr verglichen und es kann eine direkte Korrelation festgestellt werden.

Ein weiteres beliebtes Messwerkzeug, das sich bewährt hat, um einen guten Überblick über die Inflation zu verschaffen, ist der COLI. COLI steht für "Cost of Living Index", auf Deutsch Lebenskosten Index. Hierbei wird, ebenfalls zu bestimmten Stichtagen jedes Jahr erneut geschaut, wie viel Geld die einzelnen deutschen Haushalte ausgeben müssen, um ein bestimmtes Nutzenniveau zu erreichen, also einen gewissen Lebensstandard zu haben.

Die Auswirkungen einer Inflation

Eine Inflation zieht verschiedene Auswirkungen nach sich, ebenso wie bestimmte Gewinner und bestimmte Verlierer einer inflationären Bewegung erkennbar werden.

So kommt es bei einer Inflation zu einer Zinslücke, einer Lohnlücke, häufig zur Flucht in Sachwerte und zu einer Rentenlücke.

Da sich Zinsen erst sehr langsam und zeitverzögert an die Entwertung des Geldes anpassen, profitieren eher die Schuldner. Die Gläubiger sitzen dabei am kürzeren Hebel. Es muss nach wie vor der gleiche Zinssatz bezahlt werden, der nun aber per se weniger wert ist.

Die Lohnlücke folgt einem ähnlichen Prinzip, ist aber oftmals schneller wieder geschlossen. Wenn die Inflation einsetzt, wird der Lohn entsprechend weniger wert, er verliert an Kaufkraft. Und zumeist wird zumindest nicht sofort mit Lohnerhöhungen auf eine Inflation reagiert, oftmals aber nach und nach, weswegen diese Lücke bald wieder geschlossen wird. Hierbei tritt jedoch auch das Problem der Lohn-Preis-Spirale auf, das bereits weiter oben in Text thematisiert wurde.

Die Flucht in Sachwerte ist eine logische Reaktion der Teilnehmer des Wirtschaftskreislaufs, die zuvor als Sparer aufgetreten sind. Das Bargeld als Anlageform verliert zunehmend an Wert und ist deshalb sehr unattraktiv während einer zunehmenden Inflation. Klassischerweise ziehen sich die Marktteilnehmer im Zuge dieser Fluchtreaktion in Immobilien oder das als sicherer Hafen geltende Gold zurück.

Des Weiteren haben Rentner mit dem gleichen Problem zu kämpfen wie alle anderen Personengruppen, die ausschließlich von staatlichen Zuschüssen leben. Weitere Beispiele hierfür wären Arbeitslose oder Hartz-IV Empfänger. Diese Personengruppen haben keine Möglichkeit, durch eine Gehaltserhöhung oder dergleichen an der Dynamik der Inflation zu partizipieren, ohne dabei Schaden zu nehmen. Sie bekommen immer die gleichen, fest definierten Bezüge, die entsprechend an Wert verlieren.

Profiteure einer Inflation sind also zum einen Schuldner, zum anderen aber auch Unternehmen, die von den steigenden Preisen profitieren können. Ebenso sind es Personen, die ihr Vermögen schnell umschichten können, entweder in Sachwerte oder auch in beispielsweise Aktien, die in einer inflationären Umgebung tendenziell besser laufen als der Gesamtmarkt.

Auf der Seite der Verlierer gibt es eine längere Liste. So werden besonders Konsumenten, Sparer und generell der Mittelstand hart getroffen, wenn bares Geld an Wert verliert. Diese Personengruppen haben traditionell eher weniger in Immobilien, Edelmetalle oder Aktien investiert, sondern meist einen höheren Betrag auf dem Bankkonto. Auch gehören wie oben genannt Rentner und andere, die auf Transferleistungen vom Staat angewiesen sind hierzu. In gewisser Weise können auch Notenbanken zu den Verlierern gezählt werden. Deren Ruf und das ihnen von den Menschen entgegengebrachte Vertrauen kann darunter leiden, da viele Menschen größere Verluste durch eine Inflation hinnehmen müssen.

Was gegen Inflation unternommen werden kann

Vorab muss gesagt werden, dass es bereits eine natürliche Gegenbewegung zur Inflation gibt, die Deflation. Bei der Deflation passiert genau das Gegenteil und Geld nimmt sukzessive an Wert zu oder die Preise sinken. Insofern kann die Inflation nicht grundsätzlich als negativ abgestempelt werden. Die Regierung verfolgt das Ziel der Preisniveaustabilität und strebt dabei gar eine durchschnittliche Inflationsrate von rund 2 Prozent im Jahr an, da man eher die Deflation vermeiden möchte.

Konkret können Staaten durch eine restriktivere Geld- und Ausgabenpolitik einer Inflation entgegenwirken, vor allem aber können Zentralbanken das Instrument der Verringerung des nominalen Geldwachstums nutzen. Hierbei kommt es schrittweise zu einer Abnahme der realen sich im Umlauf befindlichen Geldmenge. Geldmenge und Gütermenge werden ausgeglichener und die Inflation wird abgeschwächt.



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Artikel erstellt am 11.06.2020